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Nachruf Prof. Dr. Annelinde Eggert-Schmid Noerr

Annelinde Eggert-Schmid Noerr
Annelinde Eggert-Schmid Noerr

Wir trauern um unsere Kollegin Prof. Dr. Annelinde Eggert-Schmid Noerr, die viele Jahre als 1. Vorsitzende dem Vorstand des Frankfurter Arbeitskreises für Psychoanalytische Pädagogik (FAPP) angehörte.

Am 9. September 2017 ist sie nach schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren verstorben.

An der Katholischen Fachhochschule Mainz lehrte sie viele Jahre am Fachbereich Soziale Arbeit.

Am Institut für Gruppenanalyse Heidelberg war sie ebenfalls seit vielen Jahren im Bereich Fort- und Weiterbildung tätig.

Seit 1994 engagierte sie sich zudem als Redaktionsmitglied des »Jahrbuchs für Psychoanalytische Pädagogik« und später als Mitherausgeberin der Reihe »Psychoanalytische Pädagogik« sowie als Autorin zahlreicher Publikationen, schwerpunktmäßig zu den Themen »Kinder und Jugendliche in besonderen Problemlagen«, »Rekonstruktive Sozialarbeit« sowie »Professionalisierungsprozesse«.

Die Entwicklung des Frankfurter Arbeitskreises für Psychoanalytische Pädagogik hat sie seit vielen Jahren, zunächst als Vorstandsmitglied und seit 2004 als 1. Vorsitzende, maßgeblich mit gestaltet. Durch ihre ausgleichende und versöhnliche Art hat sie dazu beigetragen, dass wir fachliche Kontroversen austragen und gleichzeitig in sehr konstruktiver Weise viele Projekte des FAPP zusammen entwickeln und durchführen konnten.

Mit ihrer Freundlichkeit, ihrem Humor, ihrer Zugewandtheit und ihrer Lebendigkeit hat sie die Herzen derer gewonnen, die mit ihr gearbeitet oder sie als Dozentin, Gruppenanalytikerin oder Supervisorin erlebt haben.

Wir verlieren eine hervorragende und geschätzte Kollegin.

Joachim Heilmann, Christoph Kleemann, Ursula Pforr, Ilse Weißert
Vorstand des FAPP

Marion Ebert-Saleh
Sekretariat

 

In der Nacht zum 11. Oktober 2015 ist unser Kollege, Dr. Heinz Krebs, im Alter von nur 62 Jahren nach längerer Krankheit verstorben.

Heinz Krebs im Alter von 62 Jahren verstorben

Damit ist ein Leben zu Ende gegangen, das in seinem wissenschaftlichen und praktischen Wirken ganz der Psychoanalytischen Pädagogik gewidmet war. Heinz Krebs gehörte seit 1991 dem Vorstand des Frankfurter Arbeitskreises für Psychoanalytische Pädagogik (FAPP) an, für den er sich mit enormem Fleiß und Ideenreichtum einsetzte. Seine Produktivität hat für den Arbeitskreis neue Perspektiven eröffnet und diesen geprägt. Über 20 Jahre, seit 1994, war Heinz Krebs auch Redaktionsmitglied des Jahrbuches für Psychoanalytische Pädagogik. Er war an zahlreichen Publikationen der Buchreihe und des Jahrbuchs für Psychoanalytische Pädagogik als Herausgeber beteiligt und zudem Autor vieler Beiträge, die er entweder allein oder im Zusammenwirken mit anderen verfasste.

Heinz Krebs blieb gern in der zweite Reihe, das lag ihm mehr als eine Position im Vordergrund. Sein Thema und die ihm eigene Bearbeitung lagen aber doch klar zutage. Es ging ihm um die Bedeutung der Psychoanalytischen Pädagogik für die Professionalisierung pädagogischer und sozialer Berufe. Dass die fundierte Reflexion emotionaler Prozesse in professionellen Kontexten unabdingbar ist, hat er stets unbeirrbar verfochten. Heinz Krebs hat in seinem ganzen Berufsleben selbst in der Praxis gestanden, er wollte eine Brücke zwischen Theorie und Praxis bauen. Es ging ihm vor allem um Handlungsprobleme, die etwa durch institutionelle Settings und Rahmenbedingungen oder durch feldspezifische Ungewissheiten und geringe Planbarkeit entstehen, sei es in der Schule oder in der Erziehungsberatung. Wie sehr er von der Wirksamkeit und dem Potential der Psychoanalytischen Pädagogik überzeugt war, hat er auch in seinen Beiträgen über die Weiterbildung im FAPP, die Verstehen und Verständigung als zentrales pädagogisches Mittel hervorheben, immer wieder betont.

Alle, die gemeinsam mit Heinz Krebs geschrieben oder Bücher mit ihm herausgegebenen haben, wissen, wie gut man mit ihm arbeiten konnte. Er hat die Arbeit ernst genommen, hat sich Gedanken gemacht, war gewissenhaft, mitunter durchaus streitbar, im Ganzen aber wohlwollend und darüber hinaus, das muss unbedingt erwähnt werden, offen für Kritik. Obwohl uns in den letzten Monaten nicht verborgen blieb, wie schlecht es um ihn stand, hat seine aktive Mitwirkung in den Redaktionssitzungen doch hoffen lassen, dass er seine Krankheit bewältigen könnte. Er hatte ja auch noch so viel vor. Wir sind geschockt und traurig - plötzlich ist ein Kollege nicht mehr da, den wir geschätzt haben und der all die Jahre mit seinen konstruktiven Beiträgen so selbstverständlich dazu gehörte. Eine umfassende Würdigung seiner Arbeit soll im nächsten Jahrbuch erfolgen. Schon jetzt ist sicher: Heinz Krebs wird uns fehlen, sein Tod ist ein Verlust nicht nur für die Jahrbuch-Redaktion. sondern für die ganze Psychoanalytische Pädagogik.

 

Am 28. August 2014 ist Aloys Leber im Alter von 92 Jahren verstorben. Von 1972 bis zu seiner Emeritierung 1986 war er Professor für das Fach Heilpädagogische Psychologie unter besonderer Berücksichtigung therapeutischer Verfahren am Institut für Heil- und Sonderpädagogik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main.

Von 1952 an brachte er als Psychologe und Psychoanalytiker Psychoanalyse in Institutionen für Jugendhilfe und Soziale Arbeit zur Geltung. Seit seiner Übernahme der Leitung des heilpädagogisch-psychotherapeutischen Hermann-Luppe-Heimes der Stadt Frankfurt/Main im Jahre 1961 war er maßgeblich am Wiederentstehen der Psychoanalytischen Pädagogik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und am Aufbau der analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Hessen beteiligt. Zahlreiche Publikationen und zwei eigene Schriftenreihen sowie die Gründung des Frankfurter Arbeitskreises für Psychoanalytische Pädagogik spiegeln sein hohes Engagement für die theoretische Verbreitung wie praktische Anwendung psychoanalytischen Verstehens auf dem Gebiet der Heil- und Sonderpädagogik.

Das „Programm“ der Psychoanalyse, Menschen die Bedingungen ihres eigenen Handelns verfügbar zu machen, galt Aloys Leber als oberstes Ziel einer Pädagogik, die sich der Kinder und Jugendlichen mit sogenannten Verhaltensstörungen, der sozial Benachteiligten und der Menschen mit Behinderungen annimmt. Stets legte er Wert auf eine tiefenhermeneutische Herangehensweise, die danach fragt, was sie von ihrer Befindlichkeit mitteilen, wie sie sich in die jeweilige Situation mit anderen einbringen und diese Interaktion „szenisch“ gestalten. Sein Verdienst war es, das szenische Verstehen und den fördernden Dialog für die pädagogische Praxis nutzbar gemacht zu haben. In diesem Sinne ist Aloys Leber dezidiert die Entwicklung der Psychoanalytischen Heilpädagogik zu verdanken.

Wir verlieren mit ihm einen Pionier der Psychoanalytischen Pädagogik und einen großartigen Kollegen.

 

Prof. Dr. Manfred Gerspach, Hochschule Darmstadt

und

Sigmund-Freud-Institut
(Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber und Kolleginnen und Kollegen)

Frankfurter Arbeitskreis für Psychoanalytische Pädagogik
(Prof. Dr. Annelinde Eggert-Schmid Noerr und Kolleginnen und Kollegen)